Der Leidensweg von Jürgen
Mit 47 Jahren begannen im Januar 2009 meine Trigeminusschmerzen. Die (Selbst-)Diagnose war: idiopathischen Trigeminusneuralgie V3 links. Die Diagnose wurde gleich zu Beginn richtig gestellt. Die Ursache war aber unbekannt.
Klärung andere Auslöser:
Es wurde war ein Pulpitis im Weisheitszahn links gefunden, nach dessen Entfernung kamen die Schmerzen erneut. Im Atlasbereich oder Kieferfehlstellung wurde nichts festgestellt. Alternative Methoden wie Shiazu oder Vitametik brachten keine Schmerzerleichterung.
Medikation und Verlauf:
Januar 2009: Beginn der Behandlung mit Carbamazepin führte nach einer Woche zu einer Beschwerdebesserung aber auch zu einer allergischen Reaktion. Ersatz durch Gabapentin. Absetzen der Medikamente im Juli 2009 da beschwerdefrei. Erneutes Auftreten der Schmerzen im Dezember 2009. Gabapentin bringt nicht mehr die Beschwerdefreiheit wie zuvor. Versuch als Ersatz Lyrica 300 mg zu nehmen, was leider überhaupt nicht wirkte.
Anfang März 2010 1-wöchige stationäre Aufnahme: Kein Sprechen oder Schlucken ohne Schmerzen möglich. Schmerzen bei jeder Erschütterung (Gehen, Autofahrt). Erhöhung der Gabapentin auf 3600 mg täglich sowie zusätzlich Gaben von 100 mg Topiramat und 25 mg Lamotrigin. Danach weiterer Verzicht auf Lamotrigin durch Patient da Topiramat wirkte.
Absetzten der Medikamente im Mai 2010. Erneutes Auftreten der Trigeminusneuralgie Anfang August 2010. (Ich rechnete erst im Winter kälteinduziert damit). Zwei Kernspinaufnahmen aus dem Jahr 20009 und 2010 zeigten keinen pathologischen Befund, deshalb blieb auch nur ein Öffnen des Schädels auf Verdacht.
Nebenwirkungen der Medikamente:
Gleichgewichtsstörungen wird mit der Zeit besser. Kein Auto fahren.
Geschmacksbeeinträchtigung (Bitter für einen Feinschmecker)
Libido Nachlass
Komplexes, abstraktes Denken fällt schwerer
Persönlichkeitsänderung (Immer angeheitert)
1. Operation Anfang September 2010:
Mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta einer Arterienschleife mittels Teflonpolsters.
Verschlimmbesserung der Situation da der einschießende Trigeminusschmerz nun auch nachts auftrat und ein Einschlafen unmöglich machte bzw. erst im völligen Erschöpfungszustand zuließ. Die nächsten Nächte waren die reinste Folter. Interessanterweise waren die Schmerzen am Tage unterdrückt.
2. Operation 5 Tage später:
Re- Mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta einer Vene die auf dem Trigeminusnerv auflag und einer Vene die durch den Nerv durchging. Letzteres ist wohl eine spezielle Anatomie beim Patient.
Sofort beim Erwachen waren alle Schmerzen weg und seitdem nicht mehr aufgetreten. Die Medikamente werden langsam ausgeschlichen.
Letztendlich kann ich jedem nur raten die OP durchzuziehen. Die Schmerzpausen auf der einen und das Risiko eines Höhrverlustes sowie die Medikamentenresistenz auf der anderen liesen mich auch ein 1 Jahr zögern.
OP-Klinik:
Universitätsklinik für Neurochirurgie, Tübingen
http://www.neurochirurgie-tuebingen.de
Operateur: Prof. Dr. Marcos Tatagiba, Chefarzt
(ursprünglich Prof. Florian Roser geplant).
Beide sind Spezialisten für Trigeminusneuralgie
Ich kann die Abteilung uneingeschränkt empfehlen. In derselben Woche wurde auch eine andere Frau vom TM Schmerzen durch den Jannetta OP komplett befreit.
25.09.10, Jürgen
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